Mein Weg hinaus

Eine Depression wirkt sich bei jedem anders aus, weshalb auch jeder seinen eigenen Weg hinaus finden sollte.  Meine nachfolgenden Erzählungen beschreiben demnach meine persönlichen Erfolge und Wege. Mit großer Sicherheit bietet der Markt noch etliche Therapiemethoden die du hier nicht finden wirst, aber vielleicht findest du in meinem Weg auch den einen oder anderen Tipp der dir bei deiner Genesung helfen kann.

Das innere Kind

Wir sind so alt wie wir sind. Mit jedem Tag der verstreicht werden wir älter und lassen unsere Vergangenheit zurück. Im optimalen Fall nutzen wir das im Leben Erfahrene um weiser zu werden. Das wiederum setzt voraus dass wir unsere Vergangenheit annehmen und aus ihr lernen. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Viele von uns verweilen in der Vergangenheit und anstatt aus ihr zu lernen und die Gegenwart zu gestalten, wälzen wir negativ Erlebtes hin und her, so als würde sich die Vergangenheit dadurch ändern lassen. Andere wiederum verleugnen die Vergangenheit und ignorieren Empfindungen die sich regelmäßig melden, so als wären sie nie Kind oder jugendlich gewesen.

Das Unterbewusstsein jedoch vergisst nicht. Wir sind also nicht nur das was wir gerade jetzt sind, sondern vielmehr ist das was wir jetzt sind, das Ergebnis unserer Vergangenheit. Kann es also Sinn machen diese zu ignorieren? Nein, genauso wenig wie es Sinn macht sie hin und  her zu wälzen. Beides macht uns krank. Grübelei führt zu Gedankenkreisen und sind der sichere Weg in eine Depression. Wenn wir ignorieren, drückt sich die Psyche deutlicher aus, was zu körperlichen Erkrankungen führt. Ich hatte mich fantastisch darin verstanden einen Mix aus beidem mit mir rum zu tragen. Ich wälzte vergangene Ereignisse so lange bis sie mich quälten und ignorierte zudem die Signale die mir meine Psyche schon lange über meinen Körper sendete. „Hören Sie hin!“ war ein entscheidender Satz den mir eine Therapeutin sagte. Zu dem Zeitpunkt war ich schon einige Monate schwer krank. Und das tat ich. Ich hörte hin.

Vorangegangen hatte ich schon einige Wochen zuvor festgestellt in wieweit mich meine Gedankenkreise gefangen nahmen und unterbrach diese indem ich mich zunächst in die Fantasiewelt von Harry Potter floh. Es wirkte, so dass ich etwas klarer wurde und mir Hilfe von außen suchen konnte, wozu ich bis dahin nicht in der Lage war. Nach dem entscheidenden Satz der Therapeutin begann ich hinzuhören. Bis dahin hatte ich ignoriert. Und als es sich nicht mehr ignorieren ließ, verteufelt. Ich wollte das alles nicht. Ängste, Panikattacken, schlechte Gedanken…ich wollte das alles nicht, also schob ich es weg. Nun wollte ich hin hören. Ich kaufte mir ein Notizbuch und begann zu schreiben. Vorsichtig fragte ich in einem Brief mich selbst warum ich solche Angst hatte und bekam tatsächlich Antwort. Nachdem ich meine Fragen geendet hatte, überfielen mich massenhaft Gedanken mit möglichen Antworten und ich schrieb sie auf. Formulierte sie als Antwort an meine Fragen und begann auf diesem Weg eine Unterhaltung mit mir selbst. Ich ordnete ein. Der fragende Teil sollte mein Erwachsenes Ich sein, wohingegen die Angst und die Wut mein Kind Ich darstellten. Und ich begann als Erwachsene zu handeln. Das Kind Ich erzählte seine Angst und ich versuchte als Mutter mich selbst zu trösten. Zuerst war es holprig, doch mit der Zeit wurde es immer besser. Ich erfuhr auf diesem Weg eine entscheidende Menge über mich selber und konnte mir etliche Ängste nehmen. Ich entdeckte darüber hinaus außerdem wie sehr ich mich selbst verachtete und lernte dadurch mich anzunehmen und zu lieben. Ab jetzt lobte ich mich für jeden Erfolg und spürte mit jeder Faser wie gut es mir tat.