Suizid

Depressionen sind der Tumor der Seele und können genau wie die körperliche Erkrankung mit dem Tod enden.

Das Wichtigste zuerst: Was tust du wenn du Suizidgedanken und/oder Angst hast?

  • Ruf jetzt eine Person an der du vertraust und triff dich sofort mit ihr.
  • Wenn du niemanden in deinem Umfeld anrufen möchtest, dann ruf eine Rufnummer von meiner „wichtige Rufnummern“ Seite an.
  • Sag deinem Gesprächspartner ganz konkret wie es um dich steht. Erzähle von deinen quälenden Gedanken und davon dass du dir das Leben nehmen möchtest.
  • Begib dich an einen Ort an dem du dir nichts antun kannst.

Als mein Bruder sich vor drei Jahren erfolgreich das Leben nahm war ich lange wütend auf ihn. Ich kam nicht darüber hinweg mich immer wieder zu fragen warum er einfach ohne ein Wort aus dem Leben schied. Wie konnte er mir so etwas antun? Gab es Anzeichen? Rückblickend, ja. Habe ich es ernst genommen? Nein, denn ich dachte ich er wäre intelligent genug so etwas nicht zu tun. Im Rahmen meiner Erkrankung poppte das Thema unweigerlich noch einmal auf. Dieses Mal jedoch von einer anderen Seite. Habe ich darüber nachgedacht? Ja, oft. Hätte ich den Mut ihn durchzuführen? Ich weiß es nicht. Die Tatsache dass mein Bruder sich das Leben nahm, meine Mutter früh an Parkinson erkrankte und ich mit schwersten Depressionen zu kämpfen habe, spricht doch sehr für eine erbliche Komponente. Unter anderem. Es steckt also mehr dahinter als die pure Tatsache dass sich jemand als Folge von Depressionen einfach das Leben nimmt. Von daher dachte ich dass das Thema Suizid eine eigene Seite mit besonderer Aufmerksamkeit verdient. Der gesellschaftliche Status spielt dabei im Übrigen keine Rolle. Es gibt genug prominente Beispiele die vermeintlich „alles hatten“, die sich trotzdem das Leben nahmen. Robert Enke, Chester Bennington, Robin Williams um nur einige zu nennen. Zuletzt genannter hatte mich besonders überrascht. Der traurige Clown über den alle lachten, der jedoch selber nichts zu lachen hatte.

Ich verstand: Niemand nimmt sich freiwillig das Leben.

Depressionen und der eventuell damit verbundene Suizid sind keine rationale Entscheidung eines gesunden Gehirns, sondern vielmehr das Resultat einer gefühlten ausweglosen Situation. Zirka 10 bis 15% der an einer Depression erkrankten Menschen versuchen tatsächlich einen Selbstmordversuch. Die Selbsttötung gehört zu den 10 häufigsten Todesursachen, bei Menschen unter 40 ist es sogar die zweithäufigste Todesursache.

Suizidgedanken können in allen Lebensphasen vorkommen und betreffen alle Bevölkerungsgruppen. Statistiken zeigen dass sich Männer, Personen über 45 Jahren und allein lebende Menschen häufiger das Leben nehmen. Auch gewisse Persönlichkeitseigenschaften scheinen das Risiko zu beeinflussen, jedoch werden sozio-demographische und persönliche Eigenschaften dem komplexen Zusammenspiel von Faktoren die zu einem Suizid führen können, nicht gerecht.

Aus Untersuchungen weiß man dass einige Umstände die Gefahr eines Suizids oder Suizidversuchs erhöhen:

  • frühere Suizidversuche
  • psychische Erkrankungen, insbesondere Depressionen aber auch Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie
  • Entlassung aus einer stationären Therapie in der psychiatrischen Klinik
  • Missbrauch oder Abhängigkeit von Substanzen wie Alkohol und Drogen
  • schwere körperliche Erkrankung, insbesondere chronische Schmerzen
  • sexueller Missbrauch
  • Suizid oder Suizidversuch im eigenen Umfeld
  • Arbeitsunfähigkeit, Pensionierung
  • kritische Lebensereignisse wie z.B. Verlust des Partners, Arbeitslosigkeit u.a.
  • weniger offensichtliche Gefühlsempfindungen wie Schuld, Scham oder das Gefühl für andere eine Last zu sein

Neben Risikofaktoren gibt es auch Schutzfaktoren. Eine Person kann einzelne oder auch viele der oben genannten Risikofaktoren aufweisen, aber absolut nicht suizidgefährdet sein. Denn es gibt auch Faktoren die davor schützen. Dazu gehören beispielsweise Selbstvertrauen, soziale Kompetenzen, tragende Beziehungen, gute Strategien zur Problembewältigung, persönliche und berufliche Perspektiven, Religiosität usw.

Häufig gibt es Warnzeichen. Man geht davon aus dass etwa bei 80% der Suizidversuche eine Ankündigung vorausgeht. Das gibt den Angehörigen und Fachpersonen wie Ärztinnen und Ärzten, Lehrpersonen und Personalverantwortlichen die Chance die Krisensituation zu erkennen und Unterstützung anzubieten.

Häufige Warnzeichen

  • sprechen über den Suizid, Äußerung des Todeswunsches
  • Rückzug von Freunden und gewohnten Aktivitäten
  • aufräumen, verschenken von Dinge, Testament, Familienangelegenheiten klären
  • unerwartete Besuche oder Anrufe verbunden mit Äußerungen die darauf hindeuten dass man sich nicht mehr wieder sieht
  • Beschäftigung mit dem Thema Tod und Sterben, Gedichte oder Texte schreiben, Bilder malen, Bücher und Webseiten lesen, Musik zum Thema hören
  • nach Sterbemethoden und -mitteln suchen
  • endgültige Hoffnungslosigkeit äußern (das wird nie mehr gut, das ändert sich sowieso nicht, ich werde das nie können, da kann man einfach nichts machen usw.)
  • große Selbstkritik, geringe Selbstachtung, starke Kränkung
  • riskantes Verhalten (hoher Konsum von Alkohol usw., gefährliche Freizeitaktivitäten, selbstschädigendes Verhalten, unvorsichtiges Fahren)
  • Veränderungen im Verhalten (extreme Stimmungsschwankungen, Persönlichkeitveränderungen z.B. angepasst zu rebellisch, verminderter Sexualtrieb, verändertes Essverhalten und Körpergewicht)
  • plötzliche Ruhe und Gelöstheit, wenn jemand nach einer Phase von großer Niedergeschlagenheit und Leiden plötzlich ganz ruhig und gelöst wirkt