Meine Geschichte

Du hast ihn dir ja schließlich ausgesucht. Also guck lieber mal was bei dir nicht stimmt, anstatt dich einfach so zu trennen.

So schlimm kann es ja nicht gewesen sein, immerhin wart ihr ja sechzehn Jahre zusammen.

Wie du hast jemand anderen nach der Trennung? Also in unserem Freundeskreis wird so etwas nicht gemacht. Mit dir kann ich leider kein Wort mehr sprechen.

Oh er lässt es an eurem Sohn aus? Ja das hört sich schlimm an, aber von dir bekommt er ja dann die gute Hälfte.

Klingt komisch? Ist aber so. Diese und andere Kommentare musste ich mir anhören. Ob gewollt oder nicht. So oft habe ich um Hilfe gebeten, aber für die Gesellschaft war es einfacher vorschnell zu urteilen, anstatt hinter die Kulissen zu schauen. Ich war diejenige die sich getrennt hat, obwohl wir ein kleines Kind hatten. Also musste ich auch diejenige sein, auf die man mit dem Finger zeigte. Da kam jede Story die der arme verlassene Mann der Umwelt auftischte gerade recht und niemand machte sich die Mühe zu überprüfen ob es sich vielleicht um eine Lüge handeln könnte. Denn ich hatte verlassen, also konnte auch nur ich allein die Schuld dafür tragen. Du fragst dich gerade welches Mitspracherecht andere in meiner Trennung hatten? Genau genommen gar keins. Wenn der verlassene jedoch dafür sorgt dass man ein Stigmata erhält indem er erzählt man wäre schwer Borderline krank und würde Autos stehlen dann ist das für die Umwelt ein gefundenes Fressen. Man kann sich dann gemeinsam das Maul darüber zerreißen und vergisst dann auch schnell seine gute Kinderstube. Denn Respekt muss man einer Frau gegenüber die ein kleines Kind hat und den Mann verlässt über den sie froh sein kann ihn zu haben, weil sie doch schwer an Borderline erkrankt und kriminell ist, nicht haben. Victim blaming nennt sich das Phänomen welches sich mein damaliger Mann zu nutze gemacht hat (näheres dazu findest du auf der Seite „Definitionen“). Aber ich will von vorne beginnen:

Wir lernten uns kennen, da war ich süße siebzehn. Jung und unerfahren. Aber wie so viele in diesem Alter hielt ich mich für wahnsinnig erwachsen. Ich kam gerade mit meinem besten Freund aus dem Kino und wir hatten Hunger. Unsere Stammkneipe, in der man eine fabelhafte Soljanka für wenig Geld erstehen konnte war überfüllt, weshalb wir uns dazu entschieden in das gegenüberliegende Restaurant zu gehen um dort das billigste was die Speisekarte zu bieten hatte zu verspeisen. Er, der mir mein Leben später zur Hölle machen sollte, war dort Kellner und zehn Jahre älter als ich. Er war überhaupt nicht mein Typ. Er hatte nichts was mich interessierte. Wir lernten an diesem Abend einen Jungen kennen der dort rum saß, weil seine Eltern in der Küche beschäftigt waren. Er war in unserem Alter und wir befreundeten uns mit ihm. Er war es der immer wieder Treffen zwischen diesem Kellner und mir arrangierte. Nach einer Weile fand ich ihn interessant. Zum einen weil er älter war, eine Tatsache die in mir Respekt hervor rief, zum anderen weil er sich so gewählt ausdrückte. Ich kannte nur den Jugendjargon, der mir tagtäglich um die Ohren flog. Erwachsenengeplapper bestand für mich überwiegend aus Ermahnungen von Eltern oder Lehrpersonal. Ich war in einem Alter, in welchem ich nicht mehr am Kindertisch sitzen wollte, man sich aber immer noch mit Erwachsenenthemen mir gegenüber zurückhielt. Ich gehörte also weder zu der einen, noch zu der anderen Gruppe. Ich war so dazwischen. Fühlte mich wie in einer Lücke. Eine Lücke die der Mann aus dem Restaurant wunderbar mit seinen Erzählungen über Dichtkunst oder seinem beruflichen Werdegang ausfüllte. Ich bezweifle heute dass er das bewusst tat, vielmehr hatte er einfach Gefallen daran dass ihm ein junges Mädchen seine volle Aufmerksamkeit schenkte. Er erzählte mir dass er sich für Hermann Hesse interessierte und selbst Gedichte schrieb. Er erzählte mir von seinem Studium und seinem Haus am Meer. Ich war leicht zu beeindrucken und leicht zu lenken. Es war ihm ein Leichtes mich auszutesten. Ich tat alles was er wollte, denn ich hatte die Vorstellung dass so ein gebildeter Mann der obendrein eine Affinität zur Kreativität hatte, es nur gut mit mir meinen konnte. Das war auch der Grund warum ich von vornherein die Schuld ausschließlich bei mir suchte wenn irgendetwas zwischen uns beiden nicht klappte. Er sprach mir das nicht ab, sondern bekräftigte meinen Eindruck nicht gut genug für ihn zu sein, so dass ich ständig an mir arbeiten musste. Nebenbei bemerkt stellte sich im Laufe der Jahre heraus dass er niemals studiert hatte. Auch habe ich ihn in den ganzen Jahren die wir ein Paar waren weder Gedichte lesen, noch schreiben sehen. Und sein Haus am Meer entpuppte sich als Muttis Hütte. Es war ein Haus, ja und das Meer war tatsächlich  nicht weit weg, denn es befand sich unweit dem Mittelmeer in Griechenland. Aber es gehörte nicht ihm, sondern seinen Eltern, die mich von Anfang gar nicht dort sehen wollten. Ein Grund für ihre Ablehnung war meine Herkunft. Ich war halt keine Griechin. Nationalistisch sein? Ja, das konnte die gesamte Familie ganz fantastisch. Immer wieder erzählte mir meine Schwiegermutter wie sehr sie als Gastarbeiterin in Deutschland unter den Deutschen litt und verglich mich mit ihrem Chef. Auch er (mein jetziger Ex Mann) fragte mich öfter wie ich mich fühlen würde so als Nachkomme eines Volkes was so viele Verbrechen in den Weltkriegen begangen hatte. Er nahm auch kein Blatt vor dem Mund wenn es darum ging sich über die Eigenarten der Deutschen aufzuregen, bis hin zur Sprache über die er sich lustig machte. Mit der Zeit zog sich die Schlinge die er von Anfang an um mich legte immer mehr zu. Aus den Beschimpfungen auf das deutsche Volk, wurden Beschimpfungen direkt gegen mich. Ja, das eine oder andere Mal nahm er meine Herkunft zu Hilfe um meine Schlechtigkeit zu unterstreichen, oft reichte es aber einfach aus mich zu kritisieren. Die Art wie ich redete, die Art wie ich ging, meine Freunde, meine Familie, meine Bildung und nicht zuletzt die kleine Katze die ich für unsere erste gemeinsame Wohnung ausgesucht hatte. Es war halt eine deutsche von mir ausgesuchte Katze. Da konnte ja nichts vernünftiges bei raus kommen. Das arme Tier hat das zeitlebens von ihm zu spüren bekommen. Er hat sie gern gequält und mir die Schuld gegeben wenn ich ihn davon abhalten wollte. Warum suche ich mir auch so eine schlechte deutsche Katze aus? Es war schleichend. Ich glaubte ihm. Es musste an mir liegen, warum ging sonst soviel schief und ich wollte mich bessern. Ich wollte endlich gut genug für ihn sein und gut genug für seine Familie. Ich versuchte alles um es ihnen recht zu machen. Bis hin zu dem Sohn den ich geboren hatte. Es war alles an ihm dran. Ein wunderhübscher gesunder Junge. Nur leider hatte er von Anfang an einen Fehler. Er war zur Hälfte Deutscher.

Schon kurze Zeit nach der Geburt machte mir mein Mann deutlich was für eine schlechte Mutter ich sei. Das Stillen machte mir zu schaffen und unser Sohn verlor immer mehr an Gewicht, so dass ich es vorzog für den Fall dass es gar nicht klappen sollte eine Packung Pre Milch zu besorgen. Ich dachte bevor er verhungert, wäre das eine annehmbare Alternative. Mein Mann war da leider anderer Meinung. „Eine Griechin hätte das besser gekonnt!“ hörte ich ihn schimpfen und er verteufelte meinen Gedanken. Am Rande bemerkt, ich habe die Pulvermilch nie gebraucht und stillte meinen Sohn über ein Jahr. Und so ging es weiter. Unser Sohn bekam eine Erkältung, ich war Schuld denn ich hatte ihn nicht warm genug angezogen. Unser Sohn hatte eine Schramme, ich war Schuld denn ich hatte nicht genug aufgepasst. Einmal fiel mir eine Glasflasche runter. Sie zersplitterte in unzählige Stücke. Beim Aufräumen hatte ich eine übersehen, die ganz unglücklich auf dem Boden lag. Wie es das Schicksal wollte sprang unser Sohn genau zu diesem Zeitpunkt von der Couch und landete mit seiner Ferse in dieser Scherbe. Es blutete und wir mussten zum Notarzt. Der klebte die Wunde und das Kind konnte drei Wochen nicht laufen. Ihr ahnt sicher was mein Mann in dieser Zeit tat? Richtig. Er brüllte. Zuerst weil ich die Flasche hab fallen lassen, dann während ich sauber machte, dann als der Kleine in die Scherbe sprang und ich seine Blutung stillte. Der Mann stand die komplette Zeit tatenlos daneben und kreischte meine Unfähigkeit als Mutter durch die Wohnung. Alle Mütter die ich kennenlernte waren nicht gut genug, denn in seinen Augen machten alle alles falsch mit ihren Kindern. Es sei denn es war eine Griechin, dann konnte ich mir etwas abgucken. Das Essen, der Kindergarten, die Grundschule, die anderen Kinder, nichts war gut genug. Aufgrund der häufigen Atemwegsinfekte stellte der Kinderarzt ein leichtes Asthma und einen leichten Herzfehler fest. Wir bekamen einen Inhalator und die Anweisung den Herzfehler einmal im Jahr überprüfen zu lassen. Endlich hatte mein Mann einen handfesten Grund um unser Kind noch mehr in Watte zu packen und mich als noch schlechtere Mutter dastehen zu lassen. Ich weigerte mich wegen einer Erkältung mit ihm zum Arzt zu gehen, ich war nachlässig. Der Herzfehler wurde so dramatisiert dass mein Sohn lange glaubte er wäre dem Tode geweiht. Bei jedem Huster hatte er sofort den Inhalator am Hals, so dass der Arzt irgendwann Missbrauch vermutete, weil er schon wieder leer war. Richtig, wir wechselten daraufhin den Kinderarzt. Unser Sohn musste auf der Couch sitzen, fernsehen, einen langen Pullover tragen und sich zudecken, damit er sich nicht erkältet. Die Heizung wurde auf unbarmherzige 26 Grad hochgeheizt. Er durfte nicht in der Wohnung spielen, damit er sich nicht verletzt. Nachts schlief er bei uns im Zimmer, da mein Mann die Angst er könnte an einem plötzlichen Kindstot versterben für mich bildlich am Leben hielt. Wenn er unruhig war und sich oft drehte, stand mein Mann auf und schüttelte ihn, damit er ruhig ist. Ich hatte keine Chance. Keine Stimme. Jeder Protest meinerseits artete in einen handfesten Streit aus. Ob ich Mutter spielen möchte, fragte mich mein Mann gerne und erklärte mir jedes mal wütend dass ich deutsch wäre und somit keine Ahnung hätte. Ihr denkt dass ich diesen Typen hätte verlassen müssen? Genau das dachte ich auch. Ich versuchte es das erste Mal als unser Sohn vier Jahre alt war.

Zugegeben, es war nicht der geradlinige Weg. Um genau zu sein wusste ich gar nicht dass ich so unglücklich war. Hört sich komisch an? Ist es aber gar nicht. Wenn man einen Zustand lange Zeit erlebt, dann ist er irgendwann normal. Ich konnte seine Wutausbrüche irgendwann einschätzen und lernte damit umzugehen. Außerdem hatte ich den Mann inzwischen geheiratet und ein Ehe einfach wieder so wegwerfen? Nein, das kam für mich nicht in Frage. Auch hörte ich viel auf mein Umfeld und die Tatsache dass unser Sohn als Trennungskind aufwachsen sollte, erschreckte mich. Nun begab es sich dass ich mit Kampfsport anfing. Einfach so, weil ich Lust darauf hatte und es außerdem aus meiner Kindheit kannte. Ich wurde ohne es zu wollen etwas selbstbewusster und bekam plötzlich viel Anerkennung von außen. Dazu ist zu sagen dass ich innerhalb meiner Ehe sehr viel an Gewicht zugenommen hatte. Die Pfunde purzelten mit Beginn des Trainings Woche um Woche. Mein Umfeld bemerkte es im Stillen und auch in Form von Komplimenten an mich. Und es tat so gut. Balsam für meine geschundene Seele. Darunter war ein Kollege den ich insgeheim mochte. Niemand wusste davon, aber ich schwärmte schon jahrelang für ihn. Wenn es in meiner Ehe gar nicht auszuhalten war, gab mir eine Flucht in meine Träume wieder die notwendige Kraft um weiter zu machen. Und eben dieser Kollege wurde auch aufmerksam auf mich. Seine Komplimente hüllten mich besonders warm ein. Ich sah zu dass ich besonders häufig in seine Nähe arbeiten konnte um seine Schmeicheleien zu genießen. Was soll ich sagen? Manche Träume sollten einfach geträumt bleiben. Ich war damals 27 Jahre alt, aber noch genauso naiv wie mit 17. Wie sollte ich mich auch entwickeln? Wo ich doch nur in einer Blase lebte. Ich erzählte den Sportlern aus meinem Verein von der Schwärmerei, denn ich dachte dort Freunde gefunden zu haben. Meinem Mann blieb meine Veränderung nicht verborgen und er begann seinerseits eigene Methoden ins Leben zu rufen. Es war kurz vor Weihnachten und ich machte diesem Kollegen ein kleines harmloses Geschenk. Er gab es mir zurück und lachte mich aus. Zeitgleich begann mein Mann unser Auto mit kleinen Diktiergeräten auszustatten die er kurz bevor ich damit weg fuhr scharf schaltete. Es lief unbemerkt mehrere Stunden und nahm ein Gespräch auf was ich mit einer Sportfreundin führte. Ich erzählte ihr von meiner Schwärmerei und dem Ausgang dessen. Mein Mann hörte es sich am Abend über Kopfhörer an. Währenddessen saß er mir gegenüber und beobachtete mich. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich davon keine Ahnung. Irgendwann nahm er die Kopfhörer aus den Ohren und begann mich zu Beschimpfen. Er erklärte mir was er gerade gehört hatte und dass es sein Recht als meine Ehemann wäre mich zu verkabeln. Schließlich hatte er ja meinen Betrug auch aufgedeckt. Er machte ein riesiges Theater im Verein, so dass meine neu gewonnenen Freunde Angst bekamen, sich von mir abwandten, mich ebenfalls als Schlampe hinstellten und ihm für seine Idee mit dem Diktiergerät gratulierten? Ich erhielt eine Ahnung davon was mir blühen würde wenn ich den Schritt der Trennung tatsächlich wagen würde. Ihr denkt ich hätte nur Pech gehabt mit dem Umfeld? Ein anderes hätte mir besser geholfen? Dann lest weiter.

Von diesem Moment an durfte ich keinen Schritt mehr allein machen. Er verbrachte jede freie Minute mit mir gemeinsam. Er gestand mir zu weiterhin Sport machen zu dürfen, ich musste mich allerdings in einem anderen Verein anmelden und er meldete sich dort auch an. Nach außen hin waren wir das Paar was liebevoll zusammen ein Hobby suchte. Und er wurde hoch angesehen, denn er begleitete mich ja überall hin. Ob es ein Turnier war oder Lehrgänge dich ich am Wochenende besuchte. Er war da und wartete während der Pausen auf mich. Liebevoll? Nein. Vielmehr um darauf aufzupassen dass so etwas wie mit meinem Kollegen nicht noch einmal passierte. Ab nun hatte ich mit zwei Zuständen zu kämpfen. Entweder beschimpfte er mich oder rutschte auf den Knien und bettelte damit ich ihn nicht verlassen würde. Drei weitere Jahre ging es so. Ich litt. Aber ich wollte aushalten. Für meinen Sohn. Ich wollte warten bis er alt genug ist um mich dann zu trennen, aber es sollte anders kommen. Nach zwei Jahren hatte ich keine Lust mehr auf den Sport und ihm kam es gelegen. Schließlich wollte er diesen Sport auch nur betreiben, damit er mich beobachten konnte. In der Zwischenzeit hatte er auch begonnen regelmäßig in die griechische Kirche zu gehen, wohin mein Sohn und ich ebenfalls regelmäßig mit mussten. Wir sprechen nicht nur von den Gottesdiensten, sondern von aktiver Beteiligung. Die Kirche wurde unser zweites Zuhause. Während er seine Bestimmung gefunden hatte, merkte ich dass ich mich dort fremd fühlte. Die Frauen blieben unter sich. Ich verstand die Sprache nicht, wurde zum arbeiten abgestellt. Kochen und backen für die Gottesdienste, Verkauf nach den Gottesdiensten, putzen der Kirchenräume basteln von Schmuck den man dann ebenfalls verkaufte usw. Man sprach selten mit mir. Ich blieb viel bei den Kindern und erfreute ich daran dass mein Sohn auch einen Freund fand. Meine große Leidenschaft war schon immer das Singen. So hoffte ich in dieser Kirche singen zu dürfen, was jedoch nicht passierte, da so etwas nur den Männern vorbehalten war. Frauen durften nur kochen, putzen und Kinder auf die Welt bringen. Das einzige was ich zu hören bekam war dass ich endlich noch weitere Kinder gebären sollte und aufhören sollte zu suchen. Ich hatte Mann und Kind und dem zu gehorchen. Eines Abends, mein Mann war gerade wieder für den Priester unterwegs, fand ich eine Werbung. In unserer Nachbarschaft hatte sich ein Gospelchor zusammengefunden und suchte Mitglieder. Perfekt. Kirche und singen. Dagegen sollte nichts einzuwenden sein. Weit gefehlt. Ich ging in den Chor und sang und es war das schönste was ich seit langem erleben durfte. Es erfüllte mich und gab mir neue Kraft. Kleine Anmerkung: Ich singe da heute noch. Der Priester der griechischen Kirche fand da jedoch weniger lustig. Nachdem ich einige Male dort gewesen war, stellte er mich vor der gesamten griechischen Gemeinde bloß und verkündete lautstark dass ich in einer protestantischen Kirche nichts zu suchen hatte. Schließlich sei ich ja griechisch orthodox getauft. Das war der Tropfen der das Fass zum überlaufen brachte. Ich hatte es so satt. Ich hatte es satt die kochende, putzende Gebärmaschine zu sein und ich hatte diese jahrelangen Bevormundungen und Beschimpfungen satt. Zuerst durch meinen Mann allein und nun durch sämtliche seiner Landsleute. Ich hatte es satt die Deutsche zu sein die von allem als Eindringling gesehen wurde und ich hatte es satt mich von meinem Mann als Flittchen und Hure beschimpfen zu lassen. Ich hatte es außerdem satt dass er überall herumerzählte ich hätte ihn betrogen. Als er meinte ich könne froh sein dass er bei mir geblieben wäre nachdem ich mit meinem Kollegen im Bett war, wusste ich dass ich nicht würde warten können bis mein Sohn erwachsen wäre. Ich fragte mich was an was ich die vergangene drei Jahre eigentlich noch geglaubt hatte. Seine Bekundungen er würde sich ändern, ich konnte ihm nichts mehr glauben. Ich zog mich zurück, vertraute mich einem anderen Kollegen an und verliebte mich in den. Wir hatten kein Verhältnis miteinander, redeten jedoch viel und es tat mir gut. Ab und an telefonierten wir. Heimlich, denn jeder Kontakt mit einem Mann, egal welcher trieb meinen Mann zur absoluten Eifersuchtsszene. Inzwischen stalkte er mich erneut, indem er eine Babyphone App in meinem IPhone, womit ich mich zu dem Zeitpunkt kaum auskannte, versteckte und scharf schaltete sobald ich das Haus verließ. Er war damit in der Lage immer mitzuhören wenn ich mich mit anderen unterhielt und saugte sich aus dem Gehörten das heraus was er hören wollte. Ich hatte also ein Verhältnis mit Mitsängern, mehreren Kollegen, Freunden. Als er meinte mich überführt zu haben, lüftete er das Geheimnis um die App.

Das ich mich tatsächlich in jemanden verliebt hatte hörte er jedoch nie, denn ich behielt es komplett für mich. Betrogen habe ich ihn niemals, aber die Tatsache dass ich mich tatsächlich wieder in jemanden verliebt hatte, öffnete mir endgültig die Augen. Ab jetzt gestand ich mir selber ein dass meine Ehe gescheitert war. Die Trennung war unvermeidlich, nur war ich mir nicht klar wie ich es anstellen sollte. Ein Umstand zufälliger, oder von meinem Mann auch heraufbeschworener Art, führte letztendlich schneller als erwartet dazu:

Die Trennung